Der Hauptmann – Review (BluRay)

Coverfoto - Der Hauptmann
© Weltkino Filmverleih
Heute schauen wir einmal über den Hollywood + Blockbuster Tellerrand hinaus. Weltkino und Universum Film bringen uns ab dem 07. September 2018 „Der Hauptmann“ als BD, DVD und Digital in die heimischen Wohnzimmer. Wir hatten die Möglichkeit die BluRay bereits zu sichten und können vorwegnehmen: Wir sind beeindruckt.

Wir haben einen Moment überlegt ob „Der Hauptmann“ ein Film ist der im Rahmen unseres Konzeptes hier rein passt. Tatsächlich liest man bei uns überwiegend von Filmen die laut, bunt und oftmals auch lustig sind. Alles das ist „Der Hauptmann“ nicht. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen, passt dieser Film doch wunderbar hier rein. Wir wollen auch die andere Seite der Filmwelt zeigen, die Seite wo es nicht immer heldenhaft oder völlig überdreht zugeht. Hier haben wir einen Film vor uns der uns den Krieg von einer anderen Seite zeigt. Eine Seite die sehr nachdenklich macht. Zudem beruht „Der Hauptmann“ auf wahren Ereignissen.

Was erwartet uns in „Der Hauptmann“?

Über 119 Minuten bekommen wir die Geschichte des gefreiten Herold erzählt. Selbst verängstigt und auf der Flucht, bekommt er durch den Fund einer Hauptmannsuniform und dem dazugehörigen Fahrzeug, die Möglichkeit anderen einen deutlich höheren Rang vorzugaukeln. Funktioniert dies auf seinem Weg gegenüber versprengten und führungslosen Soldaten (Manche vermutlich Deserteure) alleine aufgrund der Uniform recht gut, wird es beim Zusammentreffen mit anderen Hauptmännern deutlich schwieriger. Um sich Respekt zu verschaffen und nicht aufzufliegen gibt er an einen Spezialauftrag von ganz oben (dem Führer Hitler persönlich) bekommen zu haben. In dieser Position wird ihm jedoch einiges abverlangt, es gilt Entscheidungen über Leben und Tod von gefangenen Deserteuren zu treffen. Fressen und gefressen werden. Getrieben des Gefühls der Macht verfällt Herold dieser Zusehens.

 

Ein völlig anderer Betrachtungswinkel auf den Krieg.

Von Anfang an baut „Der Hauptmann“ eine unglaubliche Stimmung auf. Unwirklich und gleichzeitig bedrückend sind die ersten Worte die uns dazu einfallen. Neben der eigentlichen Geschichte trägt hier ganz klar Bild und Ton maßgeblich bei. Mit Ausnahme einer ganz kurzen Sequenz ist der Film vollständig in Schwarz/Weiß gehalten. Die kontrastreichen Aufnahmen fesseln wahnsinnig. Durch die nicht vorhandenen Farben wird nicht nur die Stimmung in die passende Richtung gelenkt, sondern auch die Aufmerksamkeit auf das wesentliche gerichtet. Farben würden hier zu sehr ablenken. Mehr als nur einmal überlegt man ob ein Soldat nun völlig verschmutzt oder blutverschmiert ist. Passend dazu ist das Sounddesign weitgehend minimalistisch ausgeführt. Die wenigen wirklich gezielt gesetzten Soundeffekte sitzen mit unheimlichen Druck und unterstreichen die jeweilige Situation perfekt.

Unter der Regie von Robert Schwentke (R.I.P.D., Die Bestimmung) bekommen wir eine Seite des zweiten Weltkrieges zu sehen die eher selten beleuchtet wird. Hier sehen wir wie die Wehrmacht mit eigenen Leuten umgegangen ist die vom Krieg gezeichnet zum Deserteur wurden. So wurden diese erschossen um nicht dem Feind in die Hände zu fallen und diesen zu unterstützen oder gar geheime Informationen zu geben. Kein Wunder also dass durch Angst getrieben durchaus denkbar ist dass man eine solche Gelegenheit genutzt hat sich einen hohen Rang zu erschleichen um vermeintlich sicher zu sein.

Abgesehen von einem Luftangriff gibt es in diesem Film recht wenig von der Kriegsfront zu sehen. Die intelligent gesetzten Gewaltszenen sind sehr Konsequent und oftmals erschreckend dargestellt. Noch erschreckender ist der Umstand dass man zu keiner Zeit den Gedanken bekommt hier etwas Übertriebenes gezeigt zu bekommen. So oder sehr ähnlich war das wohl – keine Zeit die man sich zurückwünscht, egal von welchem Betrachtungswinkel aus.

Der gefreite Willi Herold wird gespielt von Max Hubacher, einem echten Nachwuchstalent von dem wir mit Sicherheit noch deutlich mehr sehen werden. An seiner Seite spielt von Anfang an Milan Peschel (Schlussmacher, etc.) die Rolle von Freytag, einem versprengtem Soldaten. Für uns ist dies trotz weniger Worte die absolut am besten gespielte Rolle in „Der Hauptmann“. Allein durch seinen Ausdruck schafft es Milan Peschel hier Emotionen zu transportieren wie man es selten sieht. Oftmals hat man das Gefühl er wäre eine Art Kommentator des Films. Beeindruckend. In den weiteren Rollen sehen wir unter anderem Frederick Lau, Waldemar Kobus, Alexander Fehling, Samuel Finzi, Bernd Hölscher und Marko Dyrlich. Insgesamt wirkt das Schauspiel und die Dialoge ein wenig „Theaterinspiriert“ – was aber keinesfalls abwertend zu verstehen ist.

Zur Sichtung lag uns die BluRay Variante vor. Diese kommt neben dem Hauptfilm mit einigen Extras in den Player: Hinter den Kulissen, Unveröffentlichte Szene, Interviews, Storyboard-Film-Vergleich, Soundtrack-Video, Featurette „Die Entstehung der Wurzel“. Zudem, und das ist sicherlich besonders erwähnenswert, enthält die BluRay eine Hörfilmfassung für Sehbehinderte.

Fazit:

„Der Hauptmann“ überzeugt uns auf ganzer Linie und zeigt uns einmal mehr dass die Filmwelt nicht nur aus Action, Horror oder anderen Genre besteht die die Kinokassen klingeln lassen. Wer bereit ist den Kopf einzuschalten und in Ruhe diesen Film auf sich wirken zu lassen, wird es sicher nicht bereuen. Tatsächlich können wir uns den Film auch als Schulvorführungen in höheren Klassen vorstellen – es gibt sicherlich einige Aspekte die analysiert und diskutiert werden können. Einziger kleiner Kritikpunkt ist die kleine Farbfilm-Einlage mitten im Film die den Schauplatz heute betrifft. Dieser hätte für uns eher an das Ende gehört.

„Der Hauptmann“ – ab dem 07. September 2018 auf BluRay, DVD und VoD

Der Hauptmann

9

Wertung

9.0/10

Pros

  • Tolles s/w Bild
  • Wenig aber perfekter Sound
  • Stimmung überträgt sich perfekt
  • Regt zum nachdenken an
  • Bleibt im Kopf

Cons

  • Kurze etwas störende Farbszene, kaum der Rede wert.

Heiko Alexander

Mein Name ist Heiko Alexander und bin 1978 geboren. Also bin ich schon eine ganze Weile auf diesem Planeten. Schon seit meiner frühen Jugend bin ich leidenschaftlicher "Filmekucker". Aus diesem Grund besuche ich so oft es geht das Kino und habe auch Zuhause ein kleines Filmarchiv. Da ich gerne über Filme und alles drumherum diskutiere, bewege ich mich nicht nur in entsprechenden Foren und Gruppen sondern betreibe auch diese Seite. Jede Review stellt nur meine eigene, ganz persönliche, Meinung dar. Die kann, muss sich aber nicht mit Eurer decken. Ich bitte dies immer zu berücksichtigen. Aber gerne können wir über die unterschiedlichen Ansichten plauern - sprecht mich einfach an.

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