Deine Juliet – Review (BluRay)

© Studiocanal
„Deine Juliet“ ist seit einigen Tagen auf BluRay, DVD und VoD verfügbar. Wie wir den Film einschätzen und wo unserer Meinung nach die Stärken und Schwächen liegen lest ihr in der folgenden Review.

„Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ – Welch sperriger Begriff uns in dieser Romanze bzw. diesem Drama doch so oft über den Weg gelaufen ist. Wir bekommen den Satz noch immer nicht flüssig über die Lippen. Aber fangen wir doch am besten von vorne an und schauen einmal was uns überhaupt erwartet hat.

Darum geht es in „Deine Juliet“

London in den späten vierziger Jahren. Die junge Schriftstellerin Juliet Ashton (Lily James) erhält eines Tages einen außergewöhnlichen Brief. Der literaturbegeisterte Farmer Dawsey Adams (Michiel Huisman) lebt auf der abgelegenen Kanalinsel Guernsey und ist auf der Suche nach einem besonderen Buch, wofür er Juliet um Hilfe bittet. Juliet ist sofort angetan von Dawseys Brief. Umso mehr, als sie erfährt, dass er zusammen mit einigen Bewohnern von Guernsey den Literaturverein „Guernseyer Freunde von Dichtung und Kartoffelschalenauflauf“ gegründet hat. Dessen liebenswerte und teils exzentrische Mitglieder halfen sich damit über die Zeit während des 2. Weltkriegs hinweg. Juliet beschließt kurzerhand, nach Guernsey zu reisen und über den Buchclub zu schreiben. Auf der Insel angekommen, lässt sie die Geschichte ihrer Bewohner schon bald nicht mehr los. Und bereits im Moment der ersten Begegnung mit Dawsey wird klar, dass Juliet eine Reise begonnen hat, die ihr Leben für immer verändern wird.

 

Unsere Meinung

Tatsächlich sind wir mit sehr wenig Erwartungen an diesen Film gegangen. Romanze, Drama, Zweiter Weltkrieg, Literatur und dann auch noch mit englischem Einschlag. Nicht unbedingt einfache Filmkost. Aber zum Glück sind wir allen Genres gegenüber offen und so haben nicht nur Blockbuster aus Hollywood eine Chance bei uns sondern auch solchen, etwas anspruchsvolleren, Filmen geben wir entsprechend Raum.

In 124 Minuten erzählt uns Regisseur Mike Newell (Harry Potter und der Feuerkelch, Prince of Persia) die Geschichte von Juliet, einer jungen Schriftstellerin die auf einer Welle des Erfolgs reitet, aber irgendwie das Gefühl hat dass dies nicht alles sein kann.

Gespielt wird die Rolle der Juliet von der talentierten britischen Schauspielerin Lily James (Die dunkelste Stunde, Mamma Mia! Here We Go Again). In einer weiteren Hauptrolle sehen wir unter anderem Michiel Huisman (Zuletzt bei Spuk in Hill House) der den Briefeschreiber Dawsey spielt.

Inhaltlich reißt der Film einen immer ein wenig hin und her. Bevor wir den Film gesichtet haben dachten wir hier eine prächtig ausgeschmückte Lovestory zu sehen zu bekommen. Das war hier gar nicht so sehr der Fall. Im ersten Drittel plätschert „Deine Juliet“ ein wenig ziellos vor sich hin. Man erfährt einiges über die Hintergründe Juliets und parallel dazu auch wie das mit dem Buchclub und dem Kartoffelschalenauflauf überhaupt entstanden ist. Und natürlich der Kontakt von Dasey zu Juliet wird eingeläutet. Vom zweiten Drittel an wendet sich dann einiges ein wenig. Eigentlich wartet man darauf wann denn nun endlich die Lovestory losgeht. Stattdessen tun sich ganz andere Fragen auf die einen dann tatsächlich auch als Zuschauer beschäftigen. Und das macht der Film unterschwellig richtig gut. Während man ständig das eine erwartet wird man abgeholt und auf einen völlig neuen Pfad geführt so dass eine sich anbahnende Liebelei zur Nebensächlichkeit heranwächst. Denn, und das muss man sagen, Was den Lovestory Part angeht ist dieser von Anfang an vorhersehbar und wirklich unspektakulär. Selten hat man diesbezüglich so wenig Emotion und Leidenschaft gesehen. Hätte sich nicht im Verlauf des Films nicht besagter alternativer „Spannungsbogen“ ergeben, hätten wir hier für die Story wirklich eine sehr niedrige Punktzahl geben müssen. Noch vor dem Ende ist dieser „Spannungsbogen“ leider abgeschlossen so dass wir hier weder überrascht noch besonders ergriffen waren. Im Endeffekt möchten wir den Anteil des Dramas deutlich besser bewerten als den der eigentlichen Romanze.

Das Schauspiel als solches ist in Ordnung und kann als durchaus gut eingestuft werden. Die Synchronisierung liegt auf dem üblich hohen Niveau das glücklicher Weise bei uns herrscht. Die Rollen an sich sind wenig ausgeprägt obwohl die Charaktere das eigentlich zuließen, was wirklich Schade ist. Das agieren (oder eben auch nicht agieren) einiger Protagonisten ist zuweilen wenig nachvollziehbar. Für diesen Part alleine würden wir also eher eine sehr durchschnittliche Note geben.

Aber kommen wir zu dem Teil der den ganzen Film deutlich aufwertet. Bild und Ton. Gerade die vielen Landschaftsaufnahmen und Panoramen reißen sehr viel raus. Das Bild ist stets Stimmungsvoll und passend. Auch die Requisiten passen richtig gut. Unterstützt wird das Bild von einem jederzeit auf den Punkt gebrachten Ton, wie wir das bei Filmen dieser Art recht selten sehen. Dafür fast die volle Punktzahl. Wir haben uns tatsächlich dabei ertappt nach dieser Insel bei Google zu suchen mit dem Wunsch dort vielleicht einmal Urlaub zu machen. Fast schon ein Werbefilm also.

Technisch gibt es nichts auszusetzen. Zudem sind recht viele Extras mit an Bord wie Interviews, Featurettes und ein Making of.

Die Jugendfreigabe ab 6 Jahre geht ok. Auch wenn die ein oder andere Rückblende zum Krieg vielleicht leicht verstörend für sehr junges Publikum sein könnte.

Fazit

Wirklich selten fällt uns eine Beurteilung so schwer wie in diesem Fall. Wir mögen „Deine Juliet“ irgendwie und gleichzeitig sind wir enttäuscht. Im Endeffekt haben wir gute Unterhaltung bekommen die weitaus weniger trocken war als wir dies erwartet hatten. Das was wir jedoch erwartet hatten haben wir nicht bekommen. Kein Herzschmerz, keine Leidenschaft. Dafür eine gewisse Spannung und Neugier. Das ganze garniert mit tollen Aufnahmen. Wir werden daher „Deine Juliet“ gut gemeint als Drama und nicht als Romanze werten. Aber völlig über die Schwächen können wir natürlich nicht hinwegsehen. Im Kino hätten wir uns über das ausgegebene Geld geärgert. Im Heimkinobereich würden wir empfehlen auf ein gutes Angebot zu warten. Man muss ja nicht jeden Film sofort sehen. Für einen guten Preis ist die BluRay dann auch eine gewisse Bereicherung für die Sammlung.

Deine Juliet

6.5

Wertung

6.5/10

Pros

  • Tolles Bild und Schauplätze
  • Toller Ton
  • Sehr interessante Sidestory
  • Viele Extras

Cons

  • Wenig Lovestory
  • Insgesamt vorhersehbar

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