Utøya 22. Juli – BluRay (Review)

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„Utøya 22. Juli“ ist seit dem 15. Februar auf allen gängigen Medien verfügbar und nimmt uns mit auf die gleichnamige kleine Insel, die für viele junge Menschen Tod und Trauma bedeutet und zwar genau zum Zeitpunkt des damaligen Anschlages. Die Meinungen über diesen Film sind gespalten und auch wir haben es uns recht schwer getan diesen Bericht zu schreiben.

Wir haben wirklich einige Zeit gebraucht um uns sicher zu sein wie wir mit diesem Film umgehen wollen. Daher kommt diese „Filmkritik“ auch später als sie hätte kommen sollen und können. Kurzzeitig haben wir sogar gezweifelt ob wir über diesen Film überhaupt berichten sollen. Wie Ihr seht haben wir uns dafür entschieden, wenn auch in etwas anderer Form als Ihr das kennt.

Worum geht es? (Pressetext)

Die 18-jährige Kaja verbringt mit ihrer jüngeren Schwester Emilie ein paar ausgelassene Ferientage in einem Sommercamp auf der norwegischen Insel Utøya. Es gibt Streit zwischen den Schwestern und Kaja geht alleine zu dem geplanten Barbecue. Angeregt diskutieren die Jugendlichen über aktuelle politische Entwicklungen, als plötzlich Schüsse fallen. Erschrocken suchen Kaja und die anderen Schutz im Wald. Rasend kreisen ihre Gedanken. Was passiert um sie herum? Wer sollte auf sie schießen? Kein Versteck scheint sicher. Doch die Hoffnung auf Rettung bleibt. Und Kaja setzt alles daran, Emilie zu finden. Während die Schüsse nicht verstummen wollen.

 

 

Unsere sachliche Meinung

Wir haben uns dazu entschlossen diesen Film von 2 Seiten zu betrachten. Einmal sachlich den technisch, künstlerischen Part. Und zum anderen die Inhaltliche und moralische Seite. Eine Punktewertung sowie die bekannte „Pro und Contra“ Liste wird es hier nicht geben, mehr dazu im emotional geprägten Teil.

Der sachliche Teil ist relativ schnell erledigt. Unter der Regie von Frank Poppe entstand hier eine Art Thriller, der auf den währen Begebenheiten des 22. Juli 2011 auf der kleinen Insel Utøya (40km von Oslo entfernt) basiert. Dabei wird hier keine konkrete Geschichte tatsächlich anwesender Personen erzählt, sondern alle gezeigten Personen und Gespräche sind fiktiv. Ob es das besser macht lest Ihr im emotionalen Teil der Rezension.

Tatsächlich hervorgehoben werden muss die Kameraarbeit und schon fast „Choreographie“ des Films. Abgesehen von wenigen echten Aufnahmen von dem Anschlag kurz vorher im Regierungsviertel Oslos, wurde alles was danach auf der Insel passiert an einem Stück gedreht. Eine solche „Long Take“ Einstellung erfordert ein hohes Maß an Planung. Jede Person muss zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein und richtig agieren. Gerade bei diesem wo auf einem relativ großen Raum gespielt wird ist das durchaus eine beachtliche Leistung. Niemand darf durch das Bild rennen, seinen Text nach 50 Minuten vergessen oder einfach zu spät sein. Zudem ist die Kamera so geführt als wäre man eine anwesende Person. Man versteckt sich also mit und fällt selbst in den Dreck. Hierfür würden wir an sich eine relativ hohe Wertung geben.

Die gäbe es auch für das Schauspiel der norwegischen Hauptdarstellerin Andrea Berntzen, welche die Rolle der Kaja sehr beeindruckend spielt. Die weiteren Rollen sind nebensächlich und auch nicht sonderlich gut gespielt. Einzige Ausnahme ist noch ein junges, sterbendes Mädchen auch hier wurde eine sehr beeindruckende Leistung gebracht.

Eine weitaus weniger gute Leistung wurde in der Synchronarbeit gemacht. Evtl. ist es schwierig norwegisch zu synchronisieren. Aber gerade bei den Nebendarstellern liegt das gesprochene mit dem Bild doch sehr weit auseinander. Das ist man so von einer deutschen Synchronisation eigentlich nicht gewohnt.

Die BluRay des Films verfügt über folgende technische Features: Bild: 1,85:1 (1080p/24), Sprachen/Ton: Deutsch (5.1 DTS-HD MA, Stereo DTS HD-MA), Norwegisch (5.1 DTS-HD MA), Untertitel: Deutsch, Laufzeit: 97 Min., Extras: Interview mit Hauptdarstellerin Andrea Berntzen und Regisseur Erik Poppe, Making-of, Trailer, Wendecover

Kommen wir zur emotionalen Bewertung

Tatsächlich bringt dieser Film sehr unterschiedliche Kritiken hervor. Während einige Kollegen hier einen wichtigen Film gegen das Vergessen sehen, so empfinden den Film andere schon als eine Art Perversion.

Wir haben schon bevor wir den Film gesehen haben überlegt wie wir damit umgehen sollen. Dass es sich hier um ein schwieriges Thema für einen richtigen Film handelt war schon im Vorfeld klar. Daher gab es für uns zwei Optionen. Entweder gar nicht über diesen Film berichten oder aber die Art und Weise wie wir dies nun tun.

Das wichtigste ist an dieser Stelle dass wir diesen Film für nicht richtig halten. Es muss ein wahnsinniger Schlag ins Gesicht für Opfer und Angehörige sein zu wissen dass die Geschehnisse auf diese Art dargestellt werden. Es ist zwar gut dass der Täter nicht einmal richtig zu sehen ist um ihm keine Bühne zu bieten, dennoch schürt es Angst. Angst vor dem Unbekannten. Das gleiche gilt für die permanente Angst bei der wir direkt dabei sind, teilweise nur Zentimeter entfernt. Schreie, Schüsse, Panik. Der ganze Film ist beklemmend und sicherlich verängstigend für viele Zuschauer.

Und trotzdem wird niemand wirklich empfinden können was die Opfer empfunden haben. Wir leiden als Zuschauer einen Horrorfilm den andere, junge Menschen, wirklich erlebt haben. Muss das sein? Wir glauben nicht.

Es war unglaublich schlimm was dort passiert ist. Aber anzunehmen dass wir als Zuschauer nur aufgrund des Filmes und der Machart die Opfer und Tat nicht vergessen, oder besser verstehen, ist ein Irrglaube und keine Berechtigung diesen Film so zu machen. Das heißt nicht dass nicht über diesen Tag und die Tat nicht berichtet werden sollte. Aber doch bitte sachlich in einer Dokumentation oder aber mit dem nötigen Respekt und mit vielen Jahren Abstand. Nur 7 bzw. 8 Jahre nach den dramatischen Ereignissen diesen Film, in dieser Art, zu machen ist einfach nicht richtig.

Auch dass am Ende in Textblenden unterschwellig den Helfern die Schuld gegeben wird zu spät eingetroffen zu sein ist in dieser Situation nicht fair. Man darf die Gesamtsituation nicht vergessen. Kurz vorher wurden vom selben Täter Bomben im Regierungsviertel Oslos hochgehen lassen. Es dürfte klar sein dass hier höchste Warnstufe ist und alle verfügbaren Kräfte, insbesondere Spezialeinheiten dort zusammengezogen wurden. Entsprechend waren diese einfach nicht sofort verfügbar auf der Insel. Auf diesen Fall konnte niemand vorbereitet sein.

Am Ende ist die Frage was uns dieser Film bringt. Ein besseres Bewusstsein für das was passiert ist? Die Gefühle der Opfer, Angehörigen, Rettungskräfte verstehen? Wohl kaum. Bekommen wir neue Erkenntnisse zu diesem Tag? Nein. Gleichzeitig kann man bei einem solchen Film auch nicht von „Gut Unterhalten“ sprechen. Man hat ein permanent schlechtes Gefühl. Ein paar wenige werden hier einen „wichtigen Film“ sehen, was auch immer diese Personen hier reininterpretieren. Einige werden einen fragwürdigen Spaß daran haben nah an der Angst und Verzweiflung zu sein. Aber für die meisten Menschen wird dieser Film einfach nur zwei Fragen aufwerfen: „Warum?“ und „Muss das sein?“

Ein solcher Film kann nicht bewertet werden. Technisch und planerisch könnte man sicherlich einige Punkte geben. Aber auf welches Filmkonto sollte man diese Punkte verbuchen, wenn es diesen Film gar nicht geben sollte?

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